Die Wahrheit und die Liebe machen uns frei

Anlässlich des Briefwechsels zwischen der Tschechoslowakischen und der Deutschen Bischofskonferenz vor 20 Jahren findet am 18. 11. 2010 um 14 Uhr im Prager Erzbischöflichen Palais eine Feierstunde statt. Die Anregung zu dieser Veranstaltung kam von der Ackermann-Gemeinde und stieß auf Unterstützung der derzeitigen Vorsitzenden der Deutschen und der Tschechischen Bischofskonferenz Erzbischof Dr. Robert Zollitsch und Erzbischof Dominik Duka OP.
Veröffentlicht: 3. 11. 2010 16:10

Prag: Kurz nach dem Fall des Kommunismus hat Kardinal František Tomášek am 11. Januar 1990 eine Erklärung zur Versöhnung der Völker der damaligen Tschechoslowakei und Deutschland sowie zur gemeinsamen Verantwortung für die Zukunft Europas herausgegeben. Die Bischöfe West- und Ostdeutschlands konnten sich im Frühjahr des selben Jahres zum ersten Mal nach 25 Jahren gemeinsam treffen und ermutigt durch die Erklärung Kardinal Tomášeks schickten sie ihm ein Dokument, in dem Sie Ihren Standpunkt zur Frage der Versöhnung mit dem tschechischen Volk formulierten und als Symbol das Zitat "Die Wahrheit und die Liebe machen uns frei" aus dem Brief des Kardinals aufgriffen. Interessant war, dass die deutschen Bischöfe über Kardinal Tomášek die Botschaft des Dokuments auch an den damaligen tschechoslowakischen Präsident Václav Havel weiterleiten wollten. Auf dieses Dokument der deutschen Bischöfe vom 8. März 1990, der an Kardinal Tomášek adressiert war, antworteten die Bischöfe der damaligen Tschechoslowakei am 5. September 1990 nach der Schaffung der Tschechoslowakischen Bischofskonferenz mit einer Erklärung, die den Titel "Christus ist unsere gemeinsame Hoffnung"  trug. 

Über die Bedeutung und Wirkung dieser Dokumente für die Entwicklung der deutsch-tschechischen Beziehungen wird während der Feierstunde eine Reihe bedeutender Persönlichkeiten sprechen. Für die Veranstalter werden Herr Jaromír Talíř, Vorsitzender der Sdružení (Vereinigung) Ackermann-Gemeinde (SAG), und Herr Martin Kastler MdEP, Bundesvorsitzender der Ackermann-Gemeinde (AG) begrüßen und einleiten. Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), und Erzbischof Dominik Duka OP, Vorsitzender der Tschechischen Bischofskonferenz (ČBK) sprechen zum Thema "Schritte auf dem Weg zur Versöhnung – 20 Jahre seit dem Briefwechsel zwischen der Tschechoslowakischen und der Deutschen Bischofskonferenz". Festredner wird der erste Vizepremier und Außenminister der Tschechischen Republik Karel Schwarzenberg sein, der in seinem Beitrag "Schritte zur Erneuerung der deutsch-tschechischen Nachbarschaft – die Bilanz und der Ausblick nach 20 Jahren" die aktuellen Perspektiven skizzieren wird.

Die Feierstunde wird mit einem Gebet von Prof. Albert-Peter Rethmann, dem Geistlichen Beirat der Ackermann-Gemeinde, und P. Adrián Zemek OPraem, Geistlicher Beirat der Sdružení Ackermann-Gemeinde abgeschlossen.

"Die Briefe der Deutschen und der Tschechoslowakischen Bischofskonferenz aus dem Jahre 1990 gehören zu den Dokumenten aus der Zeit des Beginns der freien Kontakte zwischen Deutschland und der Tschechoslowakischen Republik. Sie gehören zu den Dokumenten, dessen Ziel die Heilung der Wunden der Vergangenheit ist. Sie haben in dem katholischen Umfeld (und nicht nur dort) einen offiziellen Raum geschaffen, in dem sich der Prozess der Versöhnung zwischen den Tschechen und Deutschen entwickeln konnte und dessen Früchte wir heute, oft ganz selbstverständlich, ernten. Diese Dokumente können auch heute weiter Inspiration für den Ausbau der guten derzeitigen und zukünftigen Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen sein," sagt im Zusammenhang mit der Feierstunde der Leiter des Büros der AG in Prag P. Anton Otte, der sich seit langer Zeit diesem Bereich widmet.

Der Bundesvorsitzender der AG und Europaabgeordnete Martin Kastlererklärt zur Bedeutung der Erinnerung an diesen historischen Schritt der Bischöfe: "Seit dem Briefwechsel ist die Versöhnung zwischen Deutschen und Tschechen, auch zwischen Sudetendeutschen und Tschechen, gut vorangekommen. Sie wird gelebt und auf vielfältige Weise über Grenzen und alte Gräben hinweg gestaltet. Die Kirche hat durch den Briefwechsel eine Vorreiterrolle eingenommen. Gerade die Christen waren und sind besonders aufgefordert, die Wunden der Vergangenheit zu heilen. Wir wollen die Chancen aus dem neuen deutsch-tschechischen Miteinander in der Mitte Europas nutzen."

Das Programm der Delegation der Deutschen Bischofskonferenz unter der Leitung ihres Vorsitzenden Erzbischof Dr. Robert Zollitsch beginnt am 18. November morgens mit einer heiligen Messe in der St.­Wenzels­ Kapelle der Prager St.-Vitus-, Wenzels- und Adalberts-Kathedrale, wo die Delegation nach der Messe am Grab von Kardinal František Tomášek kurz im Gebet verweilen wird.

 

Die Akkreditierung der Medien erfolgt bis zum 15. November 2010 über die Emailadresse: tisk@cirkev.cz

9:00       Phototermin in der Kathedrale

10:45     Phototermin während des Treffens mit der deutschen Gemeinde in

               Prag

14:00     Feierstunde

 

Ankunft 15 Minuten vor der jeweiligen Veranstaltung. Festliche Bekleidung wird erwartet. Detailierte Informationen bekommen die akkreditierten Journalisten per Email am 16. November 2010.

 

Kontakt: Irena Sargankova, Pressestelle der Tschechischen
                 Bischofskonferenz,
                 220 181 436, 731 625 984, sargankova@cirkev.cz