Die Kirche in Europa 2015

22. 06. 2015
Treffen der Pressesprecher (17.-20. Juni) und Treffen der Generalsekretäre der Europäischen Bischofskonferenzen (18.-21. Juni) in Prag

Das jährliche Treffen der Pressebeauftragten und Pressesprecher (17.-20. Juni) sowie jenes der Generalsekretäre der Europäischen Bischofskonferenzen (18.-21. Juni) hat in diesem Jahr, teilweise gemeinsam, auf Einladung von Msgr. Tomáš Holub, Generalsekretär der Tschechischen Bischofskonferenz, in Prag (Tschechische Republik) stattgefunden. 

 

Im Laufe der Arbeiten haben die Pressesprecher und Generalsekretäre über zahlreiche Themen – über einige getrennt, über andere wiederum gemeinsam – gesprochen. Nachfolgend eine kurze Zusammenfassung der behandelten Themen.  

 

Die Kirche und die sozialen Medien

Die Bischofskonferenzen bemühen sich im digitalen Zeitalter sehr um die Kommunikation, vor allem um eine ordnungsgemäße Nutzung der Medien der sozialen Netzwerke (Facebook, Twitter…). Das digitale Profil einer Person oder einer kirchlichen Einrichtung zu verwalten, stellt neue Herausforderungen.  Verlangt werden Aktualität, ein fotografisches oder “videografisches” Denken, eine Haltung des Dialogs, Offenheit zur Interaktivität und vor allem die Ausbildung der Kommunikatoren.  Man wird nicht von heute auf morgen ein Social Media Editor, vielmehr sind Kompetenz und Professionalität angefragt. Es genügt nicht eine Facebook-Seite zu besitzen, einige Tweets zu verschicken, oder andere Medien mit Gedankengut zu füllen, um das Evangelium Christi in einer modernen und ansprechenden Sprache vorzustellen. Auch wenn der Gebrauch der sozialen Medien natürlich nicht der Zweck kirchlicher Pressestellen ist, sind sie dennoch ein Mittel und eine ständige Herausforderung, um vor allem die jungen Generationen in „ihrer Welt“ zu erreichen.

 

Innerkirchliches Netzwerk

Synergie, Ausbildung und Beratung: diese Worte bringen die Beziehung des “Kommunikationsbüros” einer Bischofskonferenz mit dem jeweiligen Diözesanbüro zum Ausdruck. Um die gemeinsame Aufgabe – gleichzeitig informativer und kultureller Art - bestmöglich zu erfüllen, sind die Initiativen und die von den  Bischofskonferenzen angewandten Mittel gewachsen, um eine Beziehung und einen ständigen, dauerhaften Dialog zwischen der zentralen und der örtlichen Struktur zu fördern. Wenn die Kommunikationseinrichtungen für die Diözese hin und wieder als Last empfunden werden – vor allem aus finanzieller Sicht – ist das nationale Büro oft dazu aufgerufen, die lokalen Gegebenheiten auf einem Weg des Essentialismus und der Teilung der bereitstehenden Mittel und Ressourcen zu begleiten, ohne dass dies auf Kosten der Qualität des informativen Angebots geht. Deshalb werden die nationalen Büros immer mehr “Dienstleister” mit Unterstützungsangeboten, Ausbildungskursen und Beratung, vor allem in der Verwaltung von Krisensituationen. Der Austausch über die unterschiedlichen Ansätze und Lösungen, die von verschiedenen Bischofskonferenzen eingeführten wurden, haben die Debatte bereichert und es ermöglicht, die besten Methoden herauszufinden. 

 

Die Transparenz in der Kirche

Wenn die Kirche heute auf Weltebene eine gewisse Sympathie seitens der Öffentlichkeit genießt, dann ist dies nicht nur auf die außergewöhnliche Kommunikationsfähigkeit von Papst Franziskus zurückzuführen, sondern auch auf seinen Willen nach mehr Transparenz in der Kirche, vor allem rund um das Thema Finanzen und Verwaltung. Ausgehend von der Untersuchung im Falle der I.O.R., haben sich die Pressesprecher mit Hilfe zweier Experten der Communications & Network Consulting – dem von der I.O.R. selbst beauftragten Unternehmen für Kommunikation - über die “guten Methoden“ ausgetauscht die es anzuwenden gilt, um eine transparente Kommunikation über die Aktivitäten der Kirche – besonders im Finanz- und Wirtschaftsbereich – zu erreichen.   Doch selbst wenn die Transparenz an erster Stelle steht, wenn es um den guten Ruf einer Einrichtung geht - und als solche auch der Kirche - haben die Pressesprecher daran erinnert, dass sie in sich keinen Wert darstellt. Sie ist vielmehr ein Werkzeug, dass auch dazu dient, über die vielen vorgefassten Meinungen und “gewisse Legenden” hinwegzugehen, die besonders dann “in Mode” sind, wenn sie das Thema der Finanzen in der Kirche betreffen. 

 

Jubiläum der Barmherzigkeit

In einer Videokonferenz mit dem Vorsitzenden des Päpstlichen Rates für die Förderung der Neuevangelisierung, S.E. Msgr. Rino Fisichella, ging es um das Jubiläum der Barmherzigkeit, das Papst Franziskus mit der Verkündigungsbulle  “Misericordiae Vultus” ausgerufen hat und um die Klarstellung der bereits im Programm stehenden internationalen Veranstaltungen.  Der außergewöhnliche Charakter dieses Jubiläums liegt auch in der Art, wie es begangen wird: es sollte auch und vor allem einen starken Ortscharakter haben. Die von Msgr. Fisichella mitgeteilten Informationen werden einer besseren Koordinierung und Verbreitung von nationalen und internationalen Aktivitäten dienen. 

 

Die Reform der Kommunikationsstrukturen des Vatikans, Familiensynode und die Enzyklika  ‘Laudato si’

Die Generalsekretäre und Pressebeauftragen haben über drei weitere Themen gesprochen, die von besonderer Aktualität und Bedeutung für das Leben der Kirche sind und direkt die Beziehung zwischen dem Heiligen Stuhl und den Bischofskonferenzen betreffen. 

 

Im Gespräch mit S.E. Msgr. Claudio Maria Celli, Vorsitzender des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel, ging es um die Reform der Kommunikationsstrukturen des Heiligen Stuhls.  Msgr. Celli hat die Richtlinien vorgestellt, welche diese Reform inspiriert haben und die dabei angestellten Überlegungen und behandelten Fragen dargelegt. Die Teilnehmer haben sich besonders auf die innerkirchliche Dimension der Kommunikation konzentriert, d.h. zwischen dem Heiligen Stuhl und den Bischofskonferenzen. Dabei verlor man nie das Ziel aus den Augen, die Modalitäten der Verkündigung der Botschaft der universalen Kirche zu verbessern und zu entwickeln und zwar gemeinsam und auf bestmögliche Weise.

 

Mit P. Federico Lombardi, Leiter des vatikanischen Presseamtes, haben die Sekretäre und Pressesprecher über die Modalitäten gesprochen, unter denen die nächste Bischofssynode über die Familie stattfinden wird. 

 

Msgr. Osvaldo Neves de Almeida vom Vatikanischen Staatssekretariat, hat die neue Enzyklika ‘Laudato sì’ von Papst Franziskus vorgestellt. Er hob dabei die Elemente der Kontinuität mit dem Lehramt der letzten Päpste in Bezug auf die Ökologie, als auch die neuen Aspekte hervor. Auf der Basis seiner theologischen und anthropologischen Erklärungen zu dieser Enzyklika, die wie ein Hirtenbrief über die Soziallehre der Kirche wirkt, unterstrich Msgr. Neves de Almeida, dass es sich hier um einen sehr drastischen Appell handelt: nicht nur im Hinblick auf die persönliche, sondern auch auf die politische und soziale Bekehrung. 

 

Die Kirche in der Tschechischen Republik

Während des Treffens gab es eine Begegnung der Teilnehmer mit dem Erzbischof von Prag,  Kardinal Dominik Duka OP, und dem emeritierten Erzbischof von Prag, Kardinal Miloslav Vlk, ehemaliger Vorsitzender des  CCEE (1993 – 2001), bei der sie eine Vorstellung der Kirche in der Tschechischen Republik und deren katholischer Kommunikationsmittel erhalten haben. 

 

Das Christentum in Europa

In welcher Situation befindet sich das Christentum in Europa? Sind wir vielleicht an seinem Untergang angelangt oder befinden wir uns in einer Krisenzeit, die Angst machen oder zur Chance werden kann?  Das fragte sich Msgr. Prof. Tomáš Halik, Templeton-Preisträger 2014, während seiner Rede beim Treffen der Generalsekretäre. Nach einer tiefen Reflexion über das Thema ‘Christentum in Europa’ tauchte die Idee auf, dass die Europäer – auch wenn sie zu jeder Form von Institution, daher auch zur Kirche, nein sagen- dennoch weiterhin Suchende Gottes bleiben. Die Kirche ist daher aufgerufen, Wegbegleiter all jener Frauen und Männer zu sein, die auf der Suche nach Gott sind. 

 

 

Berichte der Bischofskonferenzen

In diesem Jahr hat die Berichterstattung der Bischofskonferenzen seitens ihrer Generalsekretäre mit zwei besonders aktuellen und dringenden Themen für die Kirche begonnen: der Gender-Theorie und des Problems der Flüchtlinge und Asylbewerber. Inklusion, Mitleid und Gleichheit sind die Worte die, obgleich sie dem kirchlichen Sprachgebrauch entnommen sind, weiterhin die Debatte jener nähren, die die Gender-Theorie zur Förderung einer neuen Anthropologie nutzen, die jeden natürlichen sexuellen Unterschied ausschließt, um die Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Personen zu begünstigen und ihnen die Möglichkeit der Adoption einzuräumen.  Bei dieser Auseinandersetzung ist es wichtig, dass es die Kirche versteht, vor allem mit den Gläubigen, die nicht mehr am Rande der gesellschaftlichen Debatte stehen wollen, in Dialog zu treten. Was die Frage der Flüchtlinge und Asylbewerber angeht, warnten die  Generalsekretäre vor dem zunehmenden ‘gesellschaftlichen Egoismus’, der in vielen europäischen Ländern durch die auf das Thema Sicherheit konzentrierte Migrationspolitik geschürt wird. Sie unterstrichen, dass es auch innerhalb der Kirche nötig sei, die Reflexion über die ethischen Fundamente wiederaufzunehmen, die den Aktivitäten und der Haltung der Kirche in Bezug auf das Migrationsphänomens zugrunde liegen. Obwohl in der Regel alle die immense Arbeit der Kirche auf diesem Gebiet anerkennen, kann sie nicht die Aufgabe der Staaten übernehmen. Im Gegenteil: es ist ihr Auftrag, die Staaten aufzurufen, damit sie respektvoll ihre Verantwortung in der Administration des Migrationsphänomens, der Migranten, Flüchtlinge und Asylbewerber übernehmen und  deren Menschenrechte schützten.

 

Im Laufe der Arbeiten haben die Generalsekretäre des CCEE und der COMECE die jeweiligen Berichte dieser beiden europäischen Einrichtungen vorgelegt. 

 

Im Jahre 2016 wird das Treffen der Pressebeauftragten vom 16. – 19. November in Schottland und das Treffen der Generalsekretäre vom 30.6. – 3.7. in Deutschland stattfinden.  

 

Zum Abschluss der Arbeitstage, am 21. Juni, wurde in der Kathedrale von Prag unter dem Vorsitz von Kardinal Dominik Duka OP, die Hl. Messe gefeiert.    

Autor: Admin